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Was zeichnet Baby-Boomer am Arbeitsplatz aus?

Baby-Boomer auf dem Arbeitsmarkt

Unter den deutschen Baby-Boomern versteht man die Generation, die nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Mitte der 50er und Mitte der 60er Jahre mit hohen Geburtenraten geboren wurde. In beiden Teilen Deutschlands herrschte wirtschaftliche Aufbruchstimmung: im Westen begann eine unpolitische Zeit mit konservativen Werten im Alltag. „Wohlstand für alle“ war das Ziel, für das Leistung und Pflicht selbstverständlich waren.

Protestantische Arbeitsethik in Ost und West

Im Osten hieß es „Überholen ohne einzuholen“, der Sozialismus bot vielen eine politische Hoffnung für eine gerechtere Welt. Im Arbeitsalltag gewannen jedoch bald Planwirtschaft und Bürokratie die Oberhand. Das Feindbild des kalten Krieges wirkte auf beiden Seiten identitätsstiftend. Politische Umbrüche wie die Aufstände in Osteuropa oder die 68er Jahre im Westen erlebten die Babyboomer nur als Kinder.

Individualität wurde wenig gefördert

Die Schulen in den 60er und 70er Jahren förderten Individualität nur wenig. Konsum war die Belohnung für Fleiß und Disziplin. Das traditionelle Bild von Ausbildung, Beruf und Familie bekam erst Ende der 70er Jahre bei den Baby-Boomern im Westen Risse. In der DDR gab der Staat Ausbildung und Karriere vielfach vor, neben der ein traditionelles Familienleben dominierte.

Aufbruchstimmung bei Ausbildungsbeginn

Als die Babyboomer in den 70er und 80er Jahren im Westen mit Ausbildungen begannen und ins Berufsleben eintraten, herrschte Aufbruchstimmung: „mehr Demokratie wagen“, Entspannung, Umweltproteste, Atomkraftwerke, Gleichberechtigung, Terrorismus – viele gesellschaftspolitisch Strömungen stellten den alten Wertekanon in Frage.

Krisen dämpfen die Forderungen und Wünsche

Auf den Arbeitsmarkt hatte dies unterschiedliche Auswirkungen. Einerseits war Mitbestimmung die Devise der 70er Jahre, die Gewerkschaften forderten die 35-Stunden-Woche, traditionell hierarchische Firmenstrukturen wurden aufgeweicht. Gleichzeitig führten Öl- und Wirtschaftskrisen sowie Rationalisierung erstmals zu Massenarbeitslosigkeit. Stahl,- Werft-, Elektro-, Textil- und Druckindustrie brachen ein, Landwirtschaft und Kohlebranche folgten. Dies wirkte disziplinierend auf weitere Forderungen der Unternehmensbelegschaften.

Angst vor Jobverlust entpolitisiert die Arbeitsplätze

Im Ergebnis brachten die Babyboomer im Westen einen kooperativeren Arbeitsstil in die Unternehmen, Arbeitszeiten wurden verkürzt, einige soziale Verbesserungen eingeführt, der Organisationsgrad in Betriebsräten und Gewerkschaften war in großen Betrieben hoch. Die Firmenstrukturen wurden jedoch nicht in Frage gestellt. Denn erstmals seit dem 2. Weltkrieg fürchtete eine Generation wieder um ihre Existenz: ihre Jobsicherheit. Damit war die traditionelle Zweiteilung in einen Beruf, der die Familie ernähren kann und ein Privatleben, in dem man sich Auto, Haus und Ferienreise leisten möchte, weitgehend wieder hergestellt.

Wohlstand ersetzt politische Ziele

Die Babyboomer sind vergleichsweise behütet in bescheidenem Wohlstand ohne Krieg aufgewachsen. Sie haben gelernt, wenn sie sich mit dieser Arbeitswelt arrangieren, können sie noch größeren Konsum genießen, als ihre Eltern. Wer allerdings eigene selbstbestimmtere Wege geht, ist von Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung bedroht.

Babyboomer/Ost waren Leistungsträger des Systems

Im Osten Deutschlands war der kollektive Arbeitsweg für die Babyboomer noch enger vorgezeichnet. Als die DDR 1989 zusammenbrach, waren die Babyboomer bereits Leistungsträger des Systems. Auch sie hatten oft Zweifel an der Praxis des realen Sozialismus, doch der politische Umschwung ging maßgeblich von der Generation ihrer Kinder, der in den 70er Jahren geborenen Generation X, aus.

Selbstbewußte Babyboomer/West trafen auf diskreditierte Babyboomer/Ost

Nach der Wiedervereinigung trafen in den 90er Jahren daher selbstbewußte Babyboomer/West in der Mitte ihrer Karriere auf vielfach diskreditierte Babyboomer/Ost, die sich in der neuen Arbeitswelt erstmal hinten anstellen sollten. Wie für die gesamte Bevölkerung der DDR war für sie die Diskreditierung ihrer bisherigen Lebensleistung prägend.

Babyboomer/Ost stellen Wünsche hinter Job zurück

In der neuen Bundesrepublik war für eine respektvolle Rückschau kein Raum, es ging für die Babyboomer/Ost darum, möglichst schnell und geräuschlos einen Platz im neuen System zu finden. Entsprechend defensiv agierten Sie auf dem Arbeitsmarkt. Soziale Errungenschaften aus Ost-Betrieben wurden nirgendwo diskutiert, gefordert oder übernommen.

Babyboomer/West haben Führungsetagen erreicht

Heute sind die Babyboomer/West in die Führungsetagen vieler Unternehmen vorgerückt. Ihr Weltbild wurde Ende der 60er bis Anfang der 80er Jahre geprägt. Gleichzeitig spielen sozialverantwortliche Ideen der Generation X, internationale Erfahrungen, technische Innovationen des Digitalzeitalters und die unbefangene Konsum- und Technikaffinität der Generation Y eine Rolle.

In vielen Bereichen sind ihre Erfahrungen überholt

Viele Berufe, die die Babyboomer einst erlernt hatten, gibt es heute in Deutschland heute nicht mehr. Babyboomer sind mit Telefon und Schreibmaschine aufgewachsen. PC-Kenntnisse wurden später erworben, wie alle Beschäftigten benötigen auch Babyboomer Weiterbildungen. Allerdings verfügen viele Babyboomer über etwas, was seit der Generation Y immer seltener wird: eine Allgemeinbildung, fehlerfreie Sprache und Schrift sowie respektvolle Umgangsformen.

Traditionelle Qualitäten fehlen aber oft den jüngeren Generationen

Bei der allgegenwärtigen Digitalisierung am Arbeitsplatz werden Babyboomer dennoch häufig von Jüngeren überholt. Viele Babyboomer spüren, dass Ihre Erfahrung nicht mehr gefragt ist, dass Flexibilität und Geschwindigkeit wichtiger sind als sinnvolles Tun oder Nachhaltigkeit. Babyboomer sind gründlich, reflektiert und zuverlässig. Ihr Handeln ist auf Dauer ausgelegt, deshalb sind Babyboomer oft loyaler zum Unternehmen als jüngere Mitarbeiter. Babyboomer kommunizieren gerne persönlich, am Telefon oder per E-Mail. Damit sind Babyboomer in manchen Unternehmen ein Anachronismus und Zeitfaktor, der moderne Betriebsabläufe verlangsamt.

Eine ausgewogene Beschäftigungsstruktur vereint des Beste der Generationen

Auf der anderen Seite stehen Erfahrung, Leistungsbereitschaft und Verantwortung, durch die sich viele Babyboomer auszeichnen.
Unternehmen tun gut daran, sich ein ausgewogenes Belegschaftsmix aus mehreren Generationen zuzulegen, in der jede Generation ihre besonderen Vorzüge ausspielen kann. Wichtig dabei sind die Schnittstellen von Kommunikation und Arbeitsstrukturen, in denen sich jede Generation wiederfinden muss.

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