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Kaffee-Typen im Büro-Der kleine Schwarze

Seit die traditionelle Filterkaffee-Maschine hierzulande in den Büros durch vielseitigere Kaffeevollautomaten verdrängt wurde, haben sich im Kollegenkreis einige neue Spezies entwickelt. Die Kaffeeprofis. Sie sind wie die berüchtigten Weinkenner: Niemand weiß, ob sie wirklich etwas von Kaffee verstehen oder Unterschiede schmecken. Aber sie verstehen es, vielseitig über die Vorzüge des einen und die Nachteile eines anderen Kaffees zu plappern, nicht wenige machen aus dem Kaffeekochen eine kleine Zeremonie.

Kaffeeautomaten haben die Bürokultur aufgewertet

Tatsache ist, die Kaffeeautomaten haben die Bürokultur bereichert. Die klobigen Tassen mit ‚Peter‘, ‚Susanne‘ oder ‚Chef‘-Aufdruck sind samt Kaffeeflecken von den Schreibtischen verschwunden. Tatsächlich bereitet der Kaffeeautomat durch seinen Druck von 7,5 bis 9 bar bei der Espressofunktion einen aromatischeren Kaffee. Dank aufgeschäumter Crema kann der Cappuccino seine feine Geschmacksnote länger erhalten.

Kleine Tassen bringen das ganze Büro auf Trab

Oder er könnte. Denn wer nicht mit einem schnöden Milchkaffee demonstriert, dass er das Filterkaffeezeitalter noch nicht überwunden hat, bekommt vom modernen Kaffeeautomaten zumeist sehr kleine Tassen serviert. Das hat zu völlig neuen Mobilitätsströmen in die Kaffeeküche geführt, wo nun über Kaffeebohnen, Schaummuster und die einzelnen Automatenknöpfe gefachsimpelt wird. Ein noch ungelöstes Problem sind die stetig wachsenden Geschirrberge, denn eine ‚Spülen‘-Funktion haben Kaffeeautomaten nicht.

Moderne Vielfalt schafft neue Probleme

Nicht immer führen die neuen Fachgespräche zum Erfolg: gelegentlich fällt nun die Koffeinversorgung komplett aus, weil wieder jemand auf Entkalkung gedrückt hat, die Milchdüse verstopft ist oder versehentlich Wasser ins Mahlwerk gekippt wurde. Hier trennt sich endgültig die Spreu vom Weizen der Baristas. Das Gourmetmagazin ‚Der Feinschmecker‘ hat im Feuchtbiotop um den Kaffeeautomaten fünf neue Bürospezies entdeckt.

Der Experte

Wenn etwas beim Kaffeeautomaten klemmt, spritzt oder schwimmt, ist das ein Fall für den Experten. Mit einer Büroklammer bearbeitet er die verstopfte Düse. Beim Aufschrauben, Auseinandernehmen, Reinigen und Zusammenbauen stoppt er mittlerweile seine Bestzeit. Der Experte verbringt viel Zeit in der Küche und würde manchen Kollegen am liebsten gar nicht an den Kaffeeautomaten heranlassen. Er experimentiert gerne mit verschiedenen Kaffeebohnen, hält das Milchkännchen stets im berechneten Winkel und bevorzugt handgemachten Cappuccino. Im Kollegenkreis ist der Experte als Besserwisser unbeliebt, allerdings auch unverzichtbar bei Problemen. Am besten überlässt man den Experten der Küche, wer mit ihm ins Gespräch kommen möchte, sollte ein Maschinenproblem schildern.

Der Pechvogel

Experte und Pechvogel bilden oft eine Symbiose. Der Pechvogel hatte mit Filterkaffee nie Probleme, aber die modernen Kaffeeautomaten haben deutlich mehr Knöpfe. Häufig verbringt der Pechvogel lange Zeit in der Küche und kommt doch ohne Kaffee zurück. Mal behauptet er, er hätte den Espresso bereits getrunken. Ein andermal schleicht er sich über die Toilette zurück und ein Kollege flucht über den defekten Kaffeeautomaten. Der Pechvogel ist nicht unqualifiziert und ein fleißiger Kollege. Nur wenn er Durst bekommt ist es wie verhext. Wenn er sich der Küche nähert, ziehen ihm besorgte Kollegen oft schnell einen Cappuccino und der Bürofrieden bleibt gewahrt.

Der Pingelige

Weniger beliebt ist der Pingelige. Er benötigt stets ein hohes Kaffeeglas, damit bei seinem Latte macchiato Milch, Kaffee und Milchschaum genug Platz haben. Zudem lässt sich nur so prüfen, ob die Milchschicht nicht zu niedrig und das Schaummuster zentriert ist. Er beobacht den Kaffeeautomaten sehr genau und ruft schonmal den Experten, wenn die Milchdüse spötzt oder der Kaffee zu dunkel schimmert. So korrekt wie sein Kaffee ist auch der Auftritt des Pingeligen. Gebügeltes Hemd, Gel und Dreitagebart. Wer doch einmal mit ihm ins Gespräch kommen möchte, lobt sein Milchschaummuster.

Die Emanzipierte

Es gibt nicht wenige Kolleginnen, die sich nicht aufs Kaffeekochen reduzieren lassen möchten. Für einige ist die Kaffeemaschine das originäre Symbol für den Geschlechterkampf im Büro. Sich hier geschickt anzustellen, würde nur Rollenerwartungen bestätigen. Dummerweise haben manche Frauen aus dieser Abneigung gegen Kaffeemaschinen erst recht nie gelernt, einen Kaffeeautomaten zu bedienen. Jetzt können sie bei Röststufen und Mahlgraden nicht mitreden und entwickeln Ängste vor der Entkalkungstaste. Statt sich helfen zu lassen, erklären sich Emanzipierte häufig zu Teetrinkerinnen. Der ist ohnehin gesünder. Es stört Emanzipierte aber meist nicht, wenn ihnen ein Kollege einen Kaffee mitbringt, solange er darüber schweigt.

Der Purist

Der Purist ist ein Kaffeekenner. Er schwört auf heißen Espresso in einer winzigen Tasse, ohne Milch, Zucker und Schnickschnack. Deshalb trifft man ihn sehr oft in der Küche, wo er zu Vorträgen über die richtige Kaffeebohne neigt. Mit sachkundigem Lärm schlägt er den Siebträger aus, auch die Kaffeemühle muss für den wahren Genuss aufheulen, manchmal muss er die erste Tasse entsorgen, weil der Kaffeedruck nicht stimmte. Auch ihn sollte man dafür loben, was er aus dieser einfachen Maschine herausholt, - damit auch die Kollegen einmal an den Kaffeeautomaten dürfen.