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Digitalisierung: Was Fachkräfte und Unternehmen jetzt beachten müssen

Eine neue „Denkfabrik“ des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) soll Lösungen für die Herausforderungen der digitalen Zukunft finden. Das Problem ist bekannt: Die rasanten Fortschritte der Digitalisierung revolutionieren den Arbeitsmarkt. Immer mehr Start-Ups nutzen zum Beispiel Co-Working und Home-Office. Auch klassische Unternehmen entdecken innovative Management-Methoden. Das betrifft auch den Berliner Mittelstand. Denn der muss sich jetzt fit machen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

"Das Faszinierende der digitalen Transformation ist, dass sie uns herausfordert und ermutigt, wirklich neu zu denken“, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) am 11. Oktober in Berlin anlässlich der Eröffnung einer neuen Abteilung des Arbeitsministeriums. Von der schlicht „Denkfabrik“ genannten Institution sollen frische Impulse ausgehen. Ihre wichtigste Aufgabe wird es sein, die vielfältigen Folgen der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt zu analysieren. Die Experten wollen Herausforderungen erkennen und Lösungen finden. Dabei sollen Strategien entwickelt werden, die sich auf verschiedene Bereiche des Arbeitslebens übertragen lassen.

Die Digitalisierung verändert den Arbeitsmarkt

In den letzten Jahren haben sich neue Modelle am Markt durchgesetzt. Internet-Portale zum Beispiel vermitteln Handwerker oder Putzkräfte direkt an den Kunden. Sie werden von immer mehr Verbrauchern genutzt. Andere Websites vermitteln so genannte Clickworker, die freiberuflich kleinere Aufträge erledigen. Das sind zum Beispiel einfache Recherchen oder das Schreiben kurzer Texte. Doch auch in den etablierten Unternehmen wandelt sich vieles. Denn Konzerne und mittlere Unternehmen bemühen sich zunehmend darum, agiles Teamwork im Betrieb zu fördern. Davon versprechen sie sich größere Effizienz und bessere Produkte.

Die neue Denkfabrik in Berlin verfügt über ein Budget von drei Millionen Euro pro Jahr vom BMAS. Das Kernteam besteht aus zwölf festen Mitarbeitern. Es wird aber auch ein Fellowship-Programm hinzukommen, das internationale Wissenschaftler bei der Forschung im Themenfeld unterstützen soll. Außerdem wird es zeitlich begrenzte Formate wie „Zukunftslabore“ geben. Die so

llen den Austausch mit externen Fachleuten ermöglichen, die ihre Praxiserfahrungen einbringen können. Schon im Frühjahr 2019 soll die Denkfabrik erste Vorschläge für die Politik vorlegen, kündigte Böhning an.

Deutschland muss aufholen

Im Fokus der Denk-Arbeit steht zum Beispiel die Frage, wie ein verbindlicher Rechtsrahmen für mobiles Arbeiten aussehen könnte. Die Forscher werden zahlreiche weitere Problematiken untersuchen. Immer mehr Menschen haben ihren Arbeitsplatz zu Hause oder organisieren sich über Apps. Was bedeutet das für den Arbeitsschutz und Versicherungspflichten? Nimmt eine Plattform mit der Vermittlung von Aufträgen die Rolle eines klassischen Arbeitgebers ein? Welche Verantwortung hat der Plattform-Betreiber gegenüber den Nutzern? Welche Regulierungen muss es geben für die flexiblen Arbeitsverhältnisse der digitalen Welt? „Wir müssen mit unseren Strukturen agiler werden“, sagte Böhning.

Und tatsächlich: Deutschland hinkt der weltweiten Entwicklung ein wenig hinterher. Das geht aus einer aktuellen Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) hervor. Unternehmen und Politik reagierten zu langsam auf die Umwälzungen der „Vierten Industriellen Revolution“, also der Digitalisierung, kritisieren die WEF-Experten. Die Herausforderung ist in der Tat gewaltig: Bis 2022 werden laut WEF 75 Millionen Arbeitsplätze weltweit wegfallen. Aber dieselben Technologien werden auch 133 Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen. Das bedeutet nicht zuletzt, dass in naher Zukunft sehr viele Menschen in Berufen arbeiten werden, die es heute noch nicht einmal gibt.

Was heißt das für die Arbeitnehmer?

„Arbeitnehmer müssen sich auf die neuen Anforderungen des Marktes einstellen. Die Digitalisierung bedeutet in der Praxis vor allem: kürzere Innovationszyklen und permanente Veränderungen“, sagt Silvia Rohrbeck. Ihr Unternehmen serviceline vermittelt Führungskräfte für verschiedene Branchen und hat die Transformation des Arbeitsmarktes im Blick. Wer flexibel sei und in der Lage, sich im Arbeitsalltag selbständig zu organisieren, habe heute einen klaren Vorteil vor Mitbewerbern, sagt Frau Rohrbeck. Auch Teamfähigkeit sei entscheidend.

Immer mehr Unternehmen setzen auf „agiles Projekt-Management“, um sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Das Konzept geht auf Methoden zurück, die zuerst in der japanischen Software-Industrie Mitte der 1990er Jahre angewendet wurden. Agiles Projekt-Management setzt auf Teamwork. In der Praxis arbeiten kleine Teams weitgehend selbstorganisiert. Die Regeln ändern sich fortlaufend, Strategien und Pläne werden kontinuierlichen Überprüfungen unterzogen. Die genaue Vorgehensweise entwickelt sich erst im Laufe des Entwicklungsprozesses. Statt starrer Befehlsketten gibt es dynamische Prozesse.

Agiler werden in der Praxis

Um in der Praxis funktionieren zu können, braucht dieses Konzept geeignete Mittel der Kommunikation und Kooperation. Das kann zum Beispiel ein neuartig gestaltetes Intranet sein, in dem Projektgruppen in virtuellen Arbeitsräumen zusammenarbeiten. Im besten Falle lässt sich eine solche Software ähnlich einfach benutzen wie ein Facebook-Feed. Doch gerade in mittelständischen Unternehmen fehlt eine solche Infrastruktur häufig noch. Der Fortschritt bleibt dadurch womöglich auf halber Strecke stehen.

Häufig wird beklagt, dass die neuen Technologien die Mitarbeiter überfordern würden. Doch eine aktuelle Studie, die das Meinungsforschungsinstitut Emnid für das IT-Unternehmen HirschTec durchgeführt hat, kommt zu einem anderen Ergebnis: Zwei Drittel der befragten Beschäftigten gaben an, dass sie digitale Tools im Alltag effektiv nutzen. Insgesamt gibt es aber einen erheblichen Unterschied in den Altersgruppen: Eine absolute Mehrheit von 80 Prozent der unter 29-Jährigen nutzt digitale Instrumente ganz selbstverständlich im Arbeitsalltag. Doch bei den älteren Arbeitnehmern sind es maximal 65 Prozent. Hier können Unternehmen ansetzten, indem sie die Kommunikation der Generationen untereinander fördern. Wohlgemerkt: In dieser Studie zählten auch klassische Tools wie Excel-Tabellen und Email als digitale Tools. Bei innovativer High-Tech wären die Zahlen wohl deutlich niedriger.

Agiler Mittelstand: Die Mischung macht‘s

Wird Deutschland die neuen Herausforderungen meistern können? Diese Frage könnte sich im Mittelstand entscheiden. Denn der gilt hierzulande zu Recht als Treiber von Innovationen. Der Wettbewerb wird härter durch die weltweite Digitalisierung. Der Konkurrenzdruck steigt, denn mittlere Unternehmen bekommen es mit Mitbewerbern aus Übersee zu tun. Motivierte Mitarbeiter sind von zentraler Bedeutung für Innovation und Fortschritt. Sie müssen heute agil handeln und selbstverantwortlich neue Ideen vorantreiben.

Doch dafür müssen von der Geschäftsführung erst einmal die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. Wenn mittelständische Unternehmen agile Methoden adaptieren, sollten sie es nicht über das Knie brechen. Der Clou ist vielen Experten zufolge ein Mix aus agilem und herkömmlichem Projektmanagement. Wenn Elemente klassischen Projektmanagements beibehalten werden, zumindest für eine Übergangsphase, dann bietet das eine gewisse Sicherheit. Gleichzeitig werden agile Methoden und digitale Innovationen dort eingesetzt, wo sie erfolgversprechend sind. Das Risiko wird so insgesamt reduziert. Lernprozesse werden begünstigt. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Zusammenarbeit in den Teams und zwischen den Abteilungen funktioniert. Das geht nur mit offener Kommunikation und Transparenz.