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Die perfekte Bewerbung – Nur so und nicht anders?

Jeder, der auf Jobsuche ist, kennt die strengen Formalitäten, nach denen eine Bewerbung in Deutschland auszusehen hat. Aber sind derartige Konventionen noch zeitgemäß und zielführend? Wir wagen einen kleinen Blick auf Alternativen zur klassischen Bewerbung.

© Björn Wylezich – Fotolia.com

Die Bewerbung ist das A und O bei der Jobsuche. Wie wollen Sie auch sonst auf sich aufmerksam machen? Dabei lernen wir bereits in der Schule, wie die perfekte Bewerbung aussehen muss. Noch ehe die ersten Stellenangebote durchforstet wurden, haben Sie die diversen Ratgeber befragt, die Ihnen erklären, wie die ideale Bewerbungsmappe gestaltet wird.

Die in Deutschland gängigen Konventionen sind allgemein bekannt:

  • Der Lebenslauf ist tabellarisch und darf höchstens zwei Seiten umfassen.
  • Das Foto darauf ist ein spezielles Bewerbungsfoto und kein Passfoto.
  • Das Anschreiben darf nur eine Seite lang sein. Darauf finden sich die Adresse des potenziellen Arbeitgebers, die Adresse des Absenders, die Betreffzeile und die abschließende Grußformel.

Der Rest der Seite bietet dem Bewerber nicht mehr viel Platz, um den Leser von sich zu überzeugen und um zu schildern, wie er auf die ausgeschrieben Stelle aufmerksam wurde, warum er unbedingt bei dieser Firma arbeiten möchte und welche besonderen Qualifikationen er diesbezüglich mitbringt.

Der Text sollte dabei sprachlich versiert und ohne Standardfloskeln oder anderen Phrasen formuliert sein. Eine strenge äußere Form mit einem umfangreichen Inhalt und einem einzigartigen, einprägsamen Stil, der die eigene Persönlichkeit vermittelt, zu vereinen, bringt sogar professionelle Texter zuweilen ins Grübeln. Wer seine Stärken nicht im Schreiben von Texten hat, kann sich mit dem Bewerbungsanschreiben schwer tun. Mitunter stellt sich zudem die Frage, ob es bei so viel Formalismus nicht unmöglich ist, aus der Masse herauszustechen.

Zahlreiche Jobsuchende schreiben unzählige Bewerbung ohne Erfolg. Trotz bester Qualifikationen und der Einhaltung der Regeln für eine Bewerbung werden ihre Bemühungen nicht belohnt. Was machen sie falsch? Immer mehr Recruitingcoaches weisen darauf hin, die Schuld nicht bei sich zu suchen. Sie meinen, dass die vermeintlich perfekte Bewerbung nicht automatisch die perfekte Lösung ist, eine Anstellung zu finden. Doch wie könnten Alternativen zu der in Deutschland üblichen Bewerbung aussehen?

Andere Länder, andere Sitten

Wie so oft lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. Der Vergleich mit anderen Nationen erlaubt einen Perspektivwechsel auf die typisch deutsche Bewerbung.

Natürlich dient auch anderswo das Anschreiben dazu, sein Interesse an einer Stelle zu bekunden, und mit Hilfe eines Lebenslaufs die entsprechenden Qualifikationen zu belegen. Dennoch zeigen sich interessante Unterschiede, die Rückschlüsse auf ein anderes Verständnis der Bewerbung sowohl von Seiten des Bewerbers als auch von Seiten des Arbeitgebers erlauben.

Resümee anstatt Lebenslauf

Bereits das Bewerbungsfoto ist keine Selbstverständlichkeit. In Großbritannien, Spanien und Frankreich ist es eher verpönt. Auch in den USA wird vernehmlich darauf verzichtet. Generell fallen durch die Antidiskriminierungsgesetze in den Staaten zahlreiche Informationen weg, die hier in Deutschland nach wie vor angegeben werden. Dazu gehören neben dem Foto das Alter, der Familienstand und die Herkunft des Bewerbers.

Auch der Lebenslauf gestaltet sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten anders. Dort wird er résumé genannt und umfasst lediglich eine Seite. Er wird zwar auch tabellarisch angelegt, soll aber nicht zwingend sämtliche Lebensstationen aufgreifen, sondern eher den Werdegang mit Blick auf die ausgeschrieben Stelle wiedergeben. Die Amerikaner interessieren sich weniger dafür, was man in der Vergangenheit getan hat, sondern was man gegenwärtig tut und zukünftig tun möchte. Das résumé ist daher chronologisch von neu nach alt sortiert. Darüber hinaus verzichtet es auf ein Datum, eine Unterschrift und sogar auf eine Überschrift.

Mehr als ein bloßes Anschreiben

Ebenso unterschiedliche Auffassungen herrschen bezüglich des Anschreibens vor. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2013 halten 39% der befragten Personalverantwortlichen in Deutschland ein Anschreiben für Pflicht. In den USA hingegen sind es nur 13%. Selbst in Großbritannien bestehen nur 24% der Befragten darauf.

In den USA wird das Anschreiben als Motivationsschreiben angelegt, in dem auf mehreren Seiten und höchst persönlich die Beweggründe geschildert werden, warum man diesen Job bei dieser Firma annehmen möchte und welcher Werdegang einem zu dieser Entscheidung brachte. Deutsche Karriereberater berichten davon, dass sie US-amerikanischen Studenten, die sie auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereiten sollten, das seitenlange Offenlegen tiefster Motive und überschwänglicher Emotionen zunächst abgewöhnen mussten.

Alternativen zur klassischen Bewerbung?

Abgesehen vom internationalen Vergleich lässt vor allem die digitale Kommunikation die klassische Bewerbung, wie sie in Deutschland noch immer bevorzugt wird, zuweilen alt aussehen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer finden mittlerweile auf Plattformen wie Xing zueinander, wo der Lebenslauf ständig auf dem neuesten Stand und schnell einsehbar ist. Mittels One-Click-Bewerbungen kann der Bewerber seine Profildaten aus den sozialen Medien oder andere Links mit nur einem Mausklick übermitteln. Selbst Bewerbungen in Form kurzer Video-Selfies sind auf dem Vormarsch.

Wie sieht also die perfekte Bewerbung aus? Die ernüchternde Antwort muss wohl oder übel lauten: DIE perfekte Bewerbung gibt es nicht.  Denn wichtiger als die Form oder das Medium der Bewerbung – so viele Recruitingexperten – ist der richtige Umgang mit der Bewerbung. Diesbezüglich stehen beide Seiten, sowohl der Arbeitgeber als auch der Bewerber, in der Pflicht.

Die strengen formalen Kriterien der Bewerbung können Personalverantwortliche dazu verleiten, nach ebenso strengen formalen Kriterien auszuwählen. Doch die beruflichen Qualitäten eines Mechatronikers oder eines Informatikers schlagen sich nicht zwingend in seiner sprachlichen und stilistischen Textfertigkeit nieder. Man sollte bedenken, dass hinter dem bloßen Formalismus gewisse Qualifikationen, die über die reinen Fakten hinausgehen oder von diesen nicht adäquat abgedeckt werden, unentdeckt bleiben können.

Die Bewerber hingegen sollten sich gut überlegen, welche Art der Bewerbung am geeignetsten für sie ist. Ob man sich für eine klassische Bewerbung, eine Bewerbung nach amerikanischem Vorbild oder eine digitale Bewerbung entscheidet, sollte von der eigenen Persönlichkeit, dem Job und dem Arbeitgeber abhängen. Das Wichtigste aber bleibt immer noch, die Person, die Sie erreichen wollen, auch zu erreichen.

Die klassische Bewerbung ist daher nicht zwingen antiquiert oder gar tot. Die Form der Bewerbung mag sich wandeln, aber ihr Zweck besteht unverändert darin, auf sich aufmerksam zu machen, indem man sein Interesse bekundet und seine Qualifikationen präsentiert. Dabei sind allgemeine Kriterien wie Verständlichkeit unverändert ausschlaggebend dafür, ob eine Bewerbung – unabhängig von ihrer Form – als gut oder schlecht empfunden wird.

Wie in der Kunst gilt: Man muss zunächst die Grundlagen beherrschen, um etwas Bestehendes neu interpretieren zu können.

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