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Arbeitsunfähigkeit – Rechte und Pflichten von Mitarbeitern

Eine Erkältung, ein gebrochener Fuß oder ein Rückenleiden: jeder Arbeitnehmer wird irgendwann einmal krank. Viele ringen sich dazu durch, trotz schlechten Gesundheitszustands auf Arbeit zu gehen. Doch das gefährdet nicht nur die eigene Genesung, sondern erhöht auch das Ansteckungsrisiko für Kollegen. Eine Arbeitsunfähigkeit ist dabei mit verschiedenen Rechte und Pflichten verbunden. Wann ist man arbeitsunfähig? Kann ein Arbeitnehmer aufgrund einer Erkrankung seine bisher ausgeübte Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausüben, liegt eine Arbeitsunfähigkeit vor. Dazu gehören ebenfalls Rehabilitationsmaßnahmen, die damit in Verbindung stehen. Damit sind sowohl körperliche als auch psychische Erkrankungen gemeint.

Dabei ist eine Verletzung jedoch nicht immer mit einer Arbeitsunfähigkeit gleichzusetzen. So kann beispielsweise ein Buchhalter seine Arbeit auch mit einem gebrochenen Fuß noch ausführen. Außerdem bedeutet eine Arbeitsunfähigkeit nicht die Einhaltung einer strikten Bettruhe. Die betroffene Person ist nicht verpflichtet, zu Hause oder im Bett zu bleiben. Es dürfen nur keine Tätigkeiten stattfinden, die die Genesung behindern, wie etwa schwere körperliche Arbeit bei Rückenschmerzen.

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Welche Pflichten hat ein arbeitsunfähiger Mitarbeiter?

Der Paragraph 5 des Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) regelt das Vorgehen bei einer Arbeitsunfähigkeit. Demnach ist ein Arbeitnehmer verpflichtet, eine Erkrankung oder einen Arzttermin sofort an den Arbeitgeber zu melden. Eine Krankmeldung muss also am ersten Krankheitstag zu Arbeitsbeginn geschehen. Dies kann per Telefon, Fax, E-Mail oder durch Angehörige bzw. Arbeitskollegen erfolgen. Eine Krankmeldung auf dem Postweg würde jedoch zu lange dauern. Wird die Krankmeldung versäumt, kann dies zu einer Abmahnung und im Falle einer Wiederholung sogar zu einer Kündigung führen.

Bei einem Krankheitsfall, der länger als drei Tage andauert, muss spätestens am vierten Tag eine vom Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorliegen. Diese muss ebenfalls der gesetzlichen Krankenkasse zugesendet werden. Diese Bescheinigung enthält die voraussichtliche Dauer der Erkrankung. Die genaue Art der Erkrankung muss dem Arbeitgeber jedoch nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Ansteckungsgefahr, mitgeteilt werden. Ein neues Attest muss unverzüglich vorgelegt werden, wenn sich die Arbeitsunfähigkeit über die Dauer der Krankschreibung hinaus verlängert.

Der Arbeitgeber kann zudem verlangen, dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits am ersten Tag vorgelegt werden muss. Dies kann entweder eine generelle betriebliche Regelung sein oder eine Bestimmung für einzelne Mitarbeiter, wenn etwa anzunehmen ist, dass ein bestimmter Angestellter gerne blau macht.

Welche Rechte hat ein arbeitsunfähiger Mitarbeiter?

Nach Paragraph 3 des EntgFG hat ein arbeitsunfähiger Arbeitnehmer bis zu sechs Wochen lang Anspruch auf eine Entgeltfortzahlung in voller Höhe. Voraussetzung dafür ist, dass das Arbeitsverhältnis bereits länger als vier Wochen besteht und die Arbeitsunfähigkeit nicht selbst verschuldet ist, indem zum Beispiel gegen betriebliche Unfallvorschriften verstoßen wurde. Ein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht nicht, wenn das Arbeitsverhältnis während der Arbeitsunfähigkeit beendet wird (z.B. bei Ablauf einer befristeten Tätigkeit oder Kündigung) oder wenn das Arbeitsverhältnis aufgrund von Mutterschutz, Elternzeit, bezahltem Sonderurlaub o. ä. ruht.

Bei einer Krankheit, die länger als sechs Wochen andauert, können gesetzlich Versicherte für maximal 78 Wochen bis zu 90 % ihres Nettoeinkommens als Krankentagegeld erhalten. Darüber hinaus bekommen Angestellte des öffentlichen Dienstes einen Krankengeldzuschuss für maximal 39 Wochen. Privatversicherte haben nach Ablauf einer Karenzzeit (meist 42 Tage) Anspruch auf Krankengeld für eine unbegrenzte Zeit oder bis zum Eintritt einer Berufsunfähigkeit.

Bei Arbeits- oder Wegeunfällen sowie bei einer Berufskrankheit können Arbeitnehmer ein Verletztengeld in Höhe von 80 % eines berechneten Regelentgelts für bis zu 78 Wochen bei der gesetzlichen Unfallversicherung beantragen. Wenn für die Genesung Rehabilitationsmaßnahmen notwendig sind, kann von der Bundesagentur für Arbeit eventuell ein Übergangsgeld bezogen werden, wenn der Arbeitnehmer in dieser Rehabilitationszeit nicht arbeiten kann. Das Übergangsgeld liegt zwischen 60 und 75 % des Nettoeinkommens.

Arbeitsunfähigkeit: weitere Fragen

Was passiert bei einem Krankheitsfalls im Urlaub?

Der Urlaub dient der Erholung. Wird ein Arbeitnehmer im Urlaub krank und hat für diese Tage eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, werden diese Urlaubstage nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Der Arbeitgeber darf den genehmigten Urlaub nach Genesung jedoch nicht eigenmächtig verlängern. Auch bei Krankheit gilt: sobald der bewilligte Urlaub vorbei ist und der Arbeitnehmer wieder genesen ist, muss er wieder auf Arbeit erscheinen.

Gibt es eine Entgeltfortzahlung auf für Teilzeitkräfte und geringfügig Beschäftigte?

Teilzeitbeschäftigung und geringfügige Tätigkeiten gelten als normales Arbeitsverhältnis. Eine Entgeltfortzahlung gibt es also auch hier. Da eine geringfügige Beschäftigung nicht sozialversicherungspflichtig ist, entfällt hier jedoch das Krankengeld.

Darf man vor Ablauf der Krankschreibung wieder auf Arbeit erscheinen?

Ja; wenn sich der Arbeitnehmer genesen fühlt, steht es ihm frei, auch vor Ablauf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wieder zur Arbeit zu gehen. Er muss allerdings wieder voll einsatzfähig sein. Ist der Arbeitgeber nicht vom Leistungsvermögen des Mitarbeiters überzeugt, kann er aufgrund seiner Fürsorgepflicht darauf bestehen, dass die Krankschreibung bis zum Ablauf in Anspruch genommen wird. Die ärztliche Krankschreibung erlischt mit dem Wiederantritt der Arbeit. Im Falle eines Rückfalls muss dann eine neue ausgestellt werden.

Darf der Arbeitgeber überprüfen, ob der Arbeitnehmer tatsächlich krank ist?

Solange die allgemeine Privatsphäre nicht verletzt wird, darf der Arbeitgeber z. B. durch einen kurzen Besuch oder Anruf kontrollieren, ob der Arbeitnehmer wirklich krank ist. Dieser ist jedoch nicht verpflichtet, Anrufe anzunehmen oder Besuch einzulassen. Hat der Arbeitgeber Zweifel an einer tatsächlichen Arbeitsunfähigkeit, kann er den medizinischen Dienst der Krankenkassen einschalten.

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